Der Altar der Albani­kirche

Kostbarster Schatz der Kirche ist der Flügelaltar, der 1499 von Hans von Geismar (geb. um 1450/60, gest. 1501 oder 1502) erschaffen wurde. Die jetzigen Tafeln des Altars haben eine aben­teuer­liche Irr­fahrt mit­gemacht. 1857 wurde die Kirche re­no­viert und der restau­rie­rungs­bedürftige Altar für den Trödler bestimmt. Der Göttinger Student Hubert von Arnswald kaufte die Altar­tafeln für 1 Taler das Stück dem Küster ab. So gelangten sie teils auf das pommer­sche Familien­gut der von Arnswaldt, teils ins Rostocker Museum. Die Figuren der ehe­maligen Fest­tags­seite gingen verloren. 1907 konnten die bemalten Altartafeln für 1.000 Reichs­mark von der Stadt Göttingen zurück­gekauft werden. Sie kamen in das Städtische Museum. Erst 1931 sind die Altar­tafeln als Leih­gabe des Museums wieder an den alten Platz in der Kirche zurück­gekehrt. Die einzel­nen Bild­tafeln waren für den privaten Gebrauch von­ein­ander ge­trennt und sogar in Längs­richtung gespal­ten worden, damit sie getrennt von­ein­ander an Wänden auf­gehängt werden konnten. Bei der Zusammen­fügung der Tafeln zu einem Altar­aufsatz wurden die Tafeln der ehe­mali­gen Werk­tags­seite nicht wieder auf der Rück­seite der äußeren Flügel der Sonntags­seite angeordnet, sondern leicht an­ge­winkelt an deren Außen­seite, sodass nun ein gleich­zeitiger Anblick der ehe­maligen Sonntags- und Werk­tags­seite möglich ist. Dadurch ist allerdings die Möglich­keit der Nutzung als Wandel­altar ver­loren ge­gan­gen. Beim Zu­sam­men­setzen wurden die Bilder der Beschnei­dung und des Marien­todes ver­tauscht.

Die äußeren Tafeln, die früher die Werk­tags­seite bil­de­ten, zeigen jeweils ein hoch­forma­ti­ges Gemälde: links das Martyrium des Heiligen Alban von Mainz, rechts das Jüngste Gericht. Die Tafeln der ehe­maligen Sonntags­seite zeigen in acht Bildern Szenen aus dem Marien­leben. Von links nach rechts, sind in der oberen Reihe zu sehen: Marias Tempel­gang, Mariä Ver­kündi­gung, Mariä Heim­suchung und die Geburt Christi. Die untere Reihe zeigt von links nach rechts: Tod der Maria (ur­sprüng­lich an dieser Stelle die Beschnei­dung Jesu), Anbetung der Könige, Dar­stel­lung des Herrn und die Beschnei­dung Jesu (ursprünglich an dieser Stelle der Marien­tod). Bei der Restau­rie­rung des Altars 1961 ent­deckte der Restaurator Kurt Manning auf der Altar­tafel „Tod der Maria“ drei­zehn trauernde Apostel. Der drei­zehn­te Apostel ohne Heiligen­schein, der einem anderen über die Schulter guckt, ist höchst­wahr­schein­lich ein Selbst­bildnis vom Schöpfer des Altars, Hans von Geismar.

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